Zeitreise - Die Neuzeit
Die Neuzeit beginnt mit der wissenschaftlichen Revolution, denn mit ihr entstand ein neues Weltbild, welches einen ungeheuren Bedarf an hinreichend genauen Zeitmessern hatte. Das heliozentrische Weltbild, das Nikolaus Kopernikus, im 16. Jht. verkündete, war das Vorspiel. Gefolgt vom Verdacht Johannes Keplers, dass Zeit eine unabhängige Größe wäre. Dies veranlasste Isaac Newton schließlich dazu, der Zeit die wissenschaftlich begründete Absolution zu erteilen: "die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äußeren Gegenstand." Es war die mechanische Uhr, die durch ihre Fähigkeit, die Zeit in immer kleinere Einheiten zu teilen, das neue Weltbild unterstützte.
Das Uhrmacherhandwerk entsteht aus der Grobschmiede, genauer aus den etablierten Berufen des Kanonengießers und des Schlossers. Handwerker, die Uhren herstellen konnten, waren im Mittelalter Reisende, die von Stadt zu Stadt zogen und Aufträge übernahmen. Mit der steigenden Nachfrage nach Uhren kombinieren die Fachleute das Wissen der Kanonengießer und Schlosser mit den Fertigkeiten von Goldschmieden, Silberschmieden und Kupferstechern. Auf diese Art und Weise formierte sich langsam ein Berufsbild. In diesem Zuge entstanden die Ersten Zentren der Uhrmacherei. Die Orte der Zentren waren durch 3 Faktoren bestimmt, ihre Nähe zu europäischen Fürstenhöfen, die Existenz eines bodenständigen Metallhandwerks und eine günstige Lage für den Exporthandel. Basierend auf dieser Entwicklung entstehen in Frankreich die Zentren Blois und Paris, in Deutschland Augsburg und Nürnberg, in der Schweiz Genf und in England London.
In der Mitte des 16. Jht.'s gelingt das Bläuen bzw. die künstliche Oxidation von Stahlteilen, die Bronze findet im Bereich des Dekos wachsende Beliebtheit und das Messing wird zunehmend für Teile der Uhrwerke und Gehäuse eingesetzt. Die Uhr wird ein begehrtes Schmuckstück.
Im 17. Jahrhundert erfindet Galileo Galilei die Reibungs- oder Stiftnockenradhemmung, welche den Gang der Turmuhr des Palazzo Vecchio in Florenz beeinflusst. Es ist die genaueste Hemmung, die bis ins 18. Jht. gebaut wird.
Der Blick auf die Uhr wurde zum Symbol der Selbstkontrolle. Benjamin Franklin brachte den Geist des Kapitalismus 1748 auf eine einprägsame Formel: "Zeit ist Geld." Die Zeit beginnt, an Gott zu nagen.
In der Zwischenzeit wächst in Paris der berühmteste französische Uhrmacher heran, der legendenumwobene Abraham Louis Breguet. Seine Kundenliste liest sich wie ein Geschichtsbuch: Marie Antoinette, Napoleon, Josephine, der russische Zar, Ludwig XVI, und die Romanfiguren von Jules Verne, Dumas, Stendhal, Balsac und Puschkin besaßen Uhren von Brequet. Bereits Brequets erste Erfindung, die Taschenuhr mit Selbstaufzug, macht ihn berühmt, begehrt und teuer. Er legt nach und entwickelt die Repetierung auf Tonfedern, den Tourbillon und Uhren für Blinde. Er erfindet die nach ihm benannte Brequet-Spirale, eine Unruhspirale, welche ihren Schwerpunkt nie verlagert. Und schließlich entwickelt er den freien Ankergang soweit, dass er sich nur geringfügig von jenen, die heute millionenfach am Arm getragen werden, unterscheidet.
1780 gelingt es dem Schweizer Astronom Mallet erstmals, die wahre Orts-Sonnenzeit zu berechnen.
1801 erfindet Herr Volta die Trockenbatterie, die als Grundstock für Batterieuhren gilt.
1815 erfindet der Mechaniker und Technikpionier Karl Heinrich Klingert aus Breslau ausgehend von einer Zambonischen Säule die erste elektrische Uhr.
1862 gelingt es der Wissenschaft in Person von L. Foucault, die Geschwindigkeit des Lichts im Labor zu messen.
1880 wurde die mittlere Sonnenzeit von Greenwich per Gesetz als offizielle Zeit in Großbritannien erklärt.
Die komplizierteste Taschenuhr der Welt wird 1897 vom Pariser Uhrmacher Le Roy gebaut.
1929 entdeckt W.A. Morrison das Kristall als hochwertigen Ersatz für das Pendel und legt den Grundstein für den Bau der Quarzuhr.
1993 konnte die Junghans Uhren GmbH die erste funkgesteuerte Solararmbanduhr der Welt präsentieren.




